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Biografie eines Kalenders

 

 

 

 

 

 

   Corona brachte viel Zeit

und Kreativität

Die 50-jährige Diplom-Designerin Julia Jankowsky aus Lübeck hat 2021 mit Buntstiftzeichnungen spitzfindig-satirisch dargestellt

Lübeck – Daran wird die Corona-Pandemie mit ihren Auswirkungen nichts ändern: Das spitzfindig-satirische Kalendarium der Lübecker Diplom-Designerin Julia Jankowsky wird auch in seiner 47. Auflage für 2021 seinen festen Platz an vielen Wänden und Türen in ganz Deutschland und der Welt haben. „Obwohl manche Nachrichten für deutsche Arbeitnehmer nicht gerade gut sind, denn gleich vier gesetzliche Feiertage fallen 2021 auf Wochenenden“ bedauert die 50-Jährige. So zeigt das Gitternetz von Tagen, Wochen und Monaten neben Neu- und Vollmonden, Sternzeichen, Feiertagen und allerlei Schabernack auch die Corona-bedingt um ein Jahr verschobene Fußball-EM (11. Juni bis 11. Juli), die Kieler Woche (19. bis 27. Juni) oder die verschobenen Olympischen Sommerspiele in Tokio (23. Juli bis 8. August).

Mehrere Wochen hat auch Julia Jankowsky ihr Atelier „Julender“ in der Lübecker Glockengießerstraße, schräg gegenüber dem Günter-Grass-Haus, im Lock-Down schließen müssen. Sie hat die „geschenkte“ Zeit genutzt, um mal herunter zu fahren, sich zu erden, war trotz Zwangsschließung täglich in ihrem Atelier und merkte wider einmal, „wie wichtig mir das hier alles ist“. Julia Jankowsky hat in dieser Zeit ihre Kreativität in ihr schmuckes Atelier gesteckt und in dieser schwierigen Zeit Dinge gemacht, die schon lange in den Schubladen lagen. Eine Holzbearbeitung für ein Projekt im Hinterhof des Ateliers, zum Beispiel, wurde sogar zu einer kleinen Meditation. Die Kalendermacherin blickt optimistisch ins neue Jahr, hat ihren Jahresplaner rein künstlerisch mit seinen ebenso feinen wie spitzfindigen Buntstiftzeichnungen nahezu virenfrei erstellt.

Das Kalendarium wird mit dem beherzten Sprung eines Glücksschweins ins neue Jahr eröffnet, bevor am 9. Januar die Sängerin Joan Beaz ihren 80. Geburtstag feiert. „Ich bin ein großer Fan von ihr, habe mich viele Stunden beim Zeichnen dieses Kalenders von ihr musikalisch unterhalten lassen und ihr dafür eine Torte mit Gitarre drauf gemalt“, sagt die Diplom-Designerin und lässt eine Woche danach frech den Steinbock die Zunge ausstrecken. Der Schneemann kocht sich im Topf sein eigenes Süppchen und mutiert verflüssigt zum Sternzeichen Wassermann.

Der Schimpanse „Ham“ flog Ende des Monats vor 60 Jahren für die Amerikaner mit einer Rakete ins Weltall – sein Lohn: ein Apfel und eine Orange.

In Erinnerung an und in Hoffnung auf schneereiche Winter zelebriert Julia Jankowsky Anfang Februar eine Schneeballschlacht. Und am 14. Februar, dem Valentinstag, empfiehlt sie eine Reduktion vom Blumen-Geschenke-Wahn und eine Besinnung auf sich selbst. Ja, die Menschen mögen diesmal sich selbst lieben und lesen auf dem Shirt der jungen Frau „I love me“, bevor am Rosenmontag ein bisschen weniger Konfetti als noch in den Vorjahren in die Luft geblasen wird. Das Sternzeichen Fische zeigt nur noch einen Fisch und eine satte Katze. Wie das passierte, das erzählt der Fisch dem Widder, der aus dem März in den Februar hineinschaut. Und zu ihrem eigenen Geburtstag prostet die dann 51-Jährige am 27. Februar im Selbstporträt aus einem übergroßen Sektglas den Betrachtern zu.

Und wer mal eine 50 Jahre alte Maus sehen möchte, der sollte sich den 7. März vormerken: an diesem Tag feiert die „Sendung mit der Maus“ Geburtstag – „eine Serie, die nicht nur eine Generation geprägt hat, einschließlich mich“, räumt Julia Jankowsky ein und verweist auf die kleine Maus vor dem Röhren-Fernseher, die im Dezember in ihrem Gitterwerk noch eine tragende Rolle bekommen soll. Über den Märzenbecher im Märzbecher geht es zum flirtenden Widder und der Uhrumstellung. Ein kleiner Mann schiebt die Zeit eine Stunde nach vorn in die Sommerzeit.

Zu Ostern im April entspringt der ausgewachsene Osterhase einem Osterei, um allen Klischees gerecht zu werden. Der Gärtner pflanzt am 10. April Blumen in den Helm eines Soldaten als Erinnerung daran, dass vor 60 Jahren die Verweigerung des Dienstes von jungen Männern mit der Waffe möglich wurde. Der Leuchtturm von Schleimünde macht im Kalendarium im April den Anfang der traditionellen Trilogie von Leuchttürmen, bevor Ende des Monats das April-Wetter zum Motiv wird. Ein umsichtiger Mann beschirmt die aufgehängte Wäsche als Schutz vor dem so wechselhaften April-Wetter.

Der Feiertag 1. Mai fällt auf einen Samstag und der wutentbrannte Stier lässt sich als Sternzeichen von einem roten Stoppschild ausbremsen. Zum Muttertag setzt Julia Jankowsky der Mutter eine Krone auf und legt sie in eine Hängematte – darunter stehen Putzeimer und Lappen bereit. Dem Beginn der Eisheiligen (11. Mai) folgt Christi Himmelfahrt im wahrsten Sinne des Wortes. „Es ist das erste Mal, dass ich Blut in meinem Kalender gezeichnet habe“, sagt Julia Jankowsky mit Blick auf die Füße des in den Himmel hinauffahrenden Jesus Christus. Udo Lindenberg trinkt zu seinem 75. Geburtstag am 17. Mai ein kleines Eierlikörchen und Pfingsten lässt die Diplom-Designerin mal Zwillinge zelten. In Anlehnung an den 175. Geburtstag des Künstlers und Juweliers Peter Carl Fabergé am 30. Mai hat Julia Jankowsky ein typisches Fabergé-Ei gemalt.

Marylin Monroe wäre am 1. Juni 95 Jahre alt geworden. Julia Jankowsky widmet ihr als Fan ein schlichtes „MM“. Urlaubsgefühle will sie mit dem neuen Wassersport „Stand Up Paddling“ an der für sie heimischen Trave wecken.

 

Beim zweiten Versuch des Starts der Fußball-Europameisterschaft in Rom kickt der Papst den Ball vor optimistisch vielen Zuschauern ins Fußballrund, bevor ein Matrose zum Beginn der Kieler Woche (19. Juni) ein Papierboot zu Wasser lässt, das er mit hoher Kraft und in neuer Dimension am Ende wieder aus dem Wasser slippt. „Als ehemals in Kiel Studierende bleibe ich der Kieler Woche heimatlich verbunden.“

Der „Bikini“ feiert Anfang Juli seinen 75. Geburtstag, und die sich sonnende Urlauberin lässt sich vom frechen Sternzeichen Krebs hinterrücks das Oberteil öffnen. Das Ende der Fußball-EM ist in London vor einem ganz besonderen Tor der Palast-Garde – auch hier haben sich die Dimensionen des Tores mit einem „Torwart“, der sich nicht bewegen darf, geändert. Ein Gartenzwerg macht Yoga-Übungen und Ende Juli eröffnet der Löwe als Sternzeichen die Olympischen Sommerspiele in Tokio.

Der Wechsel auf den August zeigt einen Koffer mit der internationalen Abkürzung BER für den umstrittenen Flughafen in Berlin. Der Freude des Medaillen-Gewinners folgt die Moorente als bedrohte Vogelart und eine Urlauberszene auf dem heimischen Balkon als Anregung, den Urlaub 2021 doch lieber zu Hause zu verbringen. Die Jungfrau in der Wanne beendet den Sommermonat August.

Anfang September dann der zweite Leuchtturm: Brinkamhof in Bremerhaven. Die Freiheitsstatue steht mit einem hoffnungsvollen Regenbogen als Symbol für die bis in unsere Zeit nachhallenden Anschläge auf New York am 9. September vor genau 20 Jahren. Der schuhplattlernde Bayer steht für den Beginn des Münchner Oktoberfestes und die Maus hängt sich an eine Waage (als Sternzeichen).

Kürbis und Nationalflagge weisen Anfang Oktober auf den gemeinsamen Tag der deutschen Einheit und das Erntedankfest hin, bevor Julia Jankowsky im zweiten Selbstbildnis mit der Versendung ihrer Kalender beschäftigt ist. Ein Paar fotografiert sich beim Spaziergang am Ostseestrand und der Skorpion schaut als Sternzeichen bei der Frankfurter Buchmesse vorbei. Ende Oktober wird dann die Zeit zurückgedreht, oder auch nicht. Es ist der Diskussion geschuldet, dass die Uhrumstellung in Europa abgeschafft werden soll.

Anfang November wird die Pilzsaison eröffnet und Julia Jankowsky hofft, dass sich in den Korb nie ein Fliegenpilz einschleichen wird. Herbstzeit ist für die Illustratorin zugleich Lesezeit für gute Bücher oder der Besuch von Leuchttürmen, wie „Der kleine Preuße“ am Deich des Wremer Granatkutterhafens. Recht unspektakulär kommt am 23. November der Schütze daher bevor eine Woche später die Kalender-Maus unter dem ersten selbstgebackenen Weihnachtskeks den 1. Advent einläutet.

Die Kekse werden im Adventsmonat Dezember zum Weihnachtsfest hin immer reichlicher, bis dann die Maus am 4. Advent unter dem leckeren Weihnachtsgebäck nicht mehr an sich halten kann. Auch der Weihnachtsmann kann ihm nach getaner Arbeit nicht widerstehen. Zum Jahresausklang gibt es Champagner mit Glitzer.

   Michael Kuhr, Eutin