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Biografie eines Kalenders

 

 

 

 

 

 

   2019 - das Jahr der „Brückentage“

Jubiläum: Diplom-Designerin Julia Jankowsky präsentiert in Lübeck die 45. Auflage des satirischen Kalendariums

Lübeck – Es gibt 2019 einige Möglichkeiten, mit dem Einsatz weniger Urlaubstage deutlich mehr freie Tage aneinander zu reihen. Ganz Geschickte haben längst über dem Urlaubsplaner den Bleistift gespitzt und „Brückentage“ eingetragen.

Obwohl es im kommenden Jahr relativ ereignisarm zu gehen wird, hat Julia Jankowsky es wieder geschafft, den 365 Tagen mit ihren Buntstiften jede Menge Satire einzuhauchen.

Der Kalender erscheint in diesem Jahr bereits in der 45. Auflage. „So sind im Gitterwerk persönliche Daten als kleiner Einblick in mein Privatleben versteckt“, sagt Julia Jankowsky mit ernstem Blick auf ihren Kalender – ein kleiner Schneemann mit roter Blume für ihren Lebensgefährten Carsten zum Geburtstag (20. Dezember) oder die Rose zum Todestag von Vater Günter Jankowsky (12. Mai), der vor 45 Jahren mit seiner Frau Birgid den ersten Kalender veröffentlichte.

Mit dem Neujahrs-Schreck „Huch, schon wieder ein Jahr um“ eröffnet Julia Jankowsky mit einer Springteufelbox im Januar das neue Jahr. Die Heiligen Drei Könige stehen mit verschiedenen phantasievollen Kopfbedeckungen für Multi-Kulti und deutsche Fremdenfreundlichkeit. Der Steinbock im Handball-Tor erinnert an die am 10. Januar begonnene Handball-WM und der russische Wanderprediger Rasputin hilft zu seinem 150. Geburtstag am 21. Januar bei der Mondfinsternis. Die Feuerzangenbowle feierte am 28. Januar ihre Weltpremiere vor 75 Jahren.

Der Wassermann weist am 3. Februar auf die Verschmutzung der Meere hin. Vom Snowboarder geht es weiter zum Valentinstag (14. Februar), an dem es diesmal Eisblumen gibt. Dann kommt der Leuchtturm „Arngast“, der in den März hineinragend im niedersächsischen Jadebusen steht. Die Kieler Sprotten eröffnen die Zeit des Sternzeichens Fische.

Der Schutthaufen erinnert Anfang März an den Zusammenbruch des Stadtarchivs in Köln vor 10 Jahren. Am 9 März vor 60 Jahren löste Barbie die bis dahin obligatorische Puppe ab, die nur noch traurig im Hintergrund der Szene sitzt.

Der Widder gibt sich am 23. März als „Fotocrasher“ und rückt sich in den Vordergrund. Die laufende Uhr symbolisiert Ende März den Beginn der Sommerzeit.

Das verliebte Pärchen trotzt dem April-Wetter unter dem Schirm in bereits sommerlicher Kleidung. Am 14. April wurde vor zehn Jahren das Verbot von genmanipuliertem Mais ausgesprochen. Und Ostern wird 2019 total verrückt: der Osterhase reitet auf dem Stier. Gemeinsam jagen sie das Huhn, das wahrscheinlich gerade die letzten Ostereier gelegt hat. An den 300. Jahrestag der Veröffentlichung des Buches „Robinson Crusoe“ erinnert Julia Jankowsky am 25. April.

Der Mai beginnt mit dem Tag der Arbeit, der 2019 vor 100 Jahren das erste Mal ein Feiertag war. Am 4. Mai gratuliert die Diplom-Designerin Inger Nilsson, der begnadeten Darstellerin von Pippi Langstrumpf, zum 60. Geburtstag mit einer Zeichnung der „Villa Kunterbunt“. Vor dem Muttertag am 12. Mai hängt die Mutter zunächst mühselig die Wäsche auf und lässt sich am nächsten Tag von einer Girlande überraschen. Entspannt genießt eine junge Frau ein Glas Mai-Bowle. Am 29. Mai gibt es in mehreren Bundesländern Kommunalwahlen. „Darüber schwebt eine dunkle AfD-Wolke“, runzelt Julia Jankowsky die Stirn. Der Himmelfahrtstag mit einer Wolkentreppe beendet den Mai.

Anfang Juni macht schon mal der aus seinem Glas geflohene Wetter-Frosch schlapp, denn er erinnert sich an den heißen Sommer des Vorjahres. Dem Pfingstausflug der Zwillinge auf dem Wasser folgt am 15./16. Juni die Eröffnung der Gartenparty-Saison mit allem drum und dran. Zum Beginn der Kieler Woche kneift der Krebs als Sternzeichen einen Matrosen. Der Bülker Leuchtturm signalisiert das Ende des größtes Segelsportereignis der Welt.

Anfang Juli hat Julia Jankowsky einen kleinen Mann mit einem Metalldetektor gezeichnet. Grabräuber hatten vor 20 Jahren die bekannte Himmelsscheibe von Nebra gefunden. Die Selfie-Manie wird am 13./14. Juli dargestellt. „Nehmen die Menschen den Hintergrund ihrer Bilder wirklich wahr oder erkennen sie die schöne Landschaft gar nicht mehr“, wird Julia Jankowsky nachdenklich. Der Mondlandung vor 50 Jahren wird am 21. Juli gedacht. Der Astronaut trägt auf seinem Anzug „A. First“ – America first... Der Löwe als Sternzeichen verweigert die Arbeit im Zirkus.

Erstmals hat Julia Jankowsky das Metal-Festival „Wacken Open Air“ zum 30. Geburtstag in ihrem Kalender gezeichnet. So führt die WOA-Bier-Pipeline den Betrachter in den August. Der Feldlerche als Vogel des Jahres folgt ein blumiger Adidas-Schuh. Der Eintrag des Unternehmens ins Handelsregister liegt am 18. August 70 Jahre zurück. Die Jungfrau – durch eine Nonne symbolisiert – freut sich über einen paradiesischen Apfel.

 

Das Verbot der Verwendung von 100 Watt-Glühbirnen vor zehn Jahren stellt den Monatswechsel auf den September dar. Und zum 100. Geburtstag der freien Waldorfschule hat Julia Jankowsky am 7. September ein von Hand geschnitztes Schild gemalt. Und dann schippert der Großsegler Alexander-von-Humboldt am 14. September in den Jahreskalender und feiert den 250. Geburtstag seines Namensgebers. Zu Beginn des Oktoberfestes pussiert ein Pärchen unter dem bayrischen Kranz. Das Sternzeichen Waage wird diesmal durch eine balancierende Apfelträgerin symbolisiert.

Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, sind Ost und West auch auf dem modifizierten Kompass enger aneinander gerückt. Eine Dose mit Superfood am Erntedank-Sonntag soll infrage stellen, ob man sich von hiesigen Produkten nicht genau so gut ernähren kann. Dann mal wieder ein Leuchtturm: die „Dicke Berta“ steht in Cuxhaven-Altenbruch. Der 16. Oktober symbolisiert den Beginn der Frankfurter Buchmesse, gefolgt von einer Frau mit Büchern auf dem Kopf, die sie lesen möchte. Ende Oktober verabschiedet sich die Uhrumstellung. Ein Skorpion als Sternzeichen vertreibt die Zeit. Die Luther-Rose kennzeichnet den Reformationstag am 31. Oktober.

Nach Allerheiligen im November ruft Julia Jankowsky zum gemeinschaftlichen Reifenwechsel auf. Ein Trabbi weist am 9. November auf den Mauerfall vor 30 Jahren hin, gefolgt von einer Martinsgans. Eine Frau hat die Herbstblätter gefegt und erwartet jetzt am offenen Feuer einer wärmenden Kerze den kalten Winter. Der Schütze hat eine Krone aufgesetzt bekommen – er ist nämlich Schützenkönig geworden. Zum ersten Adventswochenende hat die Diplom-Designerin eine Kugel mit der Zahl 1 aufgehängt.

Ein Schneeschuh mit einem geschmückten Tannenzweig soll an den Nikolaustag erinnern. Und während die Kugeln mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest immer mehr werden, verschwinden im Hintergrund immer mehr Bäume, geholzte Weihnachtsbäume. Höhepunkt ist das Weihnachtsfest, wenn der Weihnachtsmann die Kugeln ins pendeln bringt. Und nach der Völlerei zu Weihnachten gibt es vorerst nur noch Schonkost. Mit den Scherben der Kugeln endet das Jahr.

   Michael Kuhr, Eutin